Der 15. Januar 2015 – was hat die Schweizer Wirtschaft getan?

Der SNB-Entscheid vom 15. Januar schockt die Schweizer Wirtschaft:  „Die Zitrone ist ausgepresst“ oder „die SNB hat offenbar etwas gegen den Industriestandort Schweiz“, das sind nur einige wenige von vielen Reaktionen namhafter Wirtschaftsvertreter und Politiker am genannten Tag.

Es sind nun mehr als ein ¾ Jahr verstrichen seit die Euro Untergrenze aufgehoben wurde.  Wo stehen wir heute? Was wurde gemacht? Wie wird es weiter gehen?

Nach dem ersten Schock-Zustand und der anhaltenden Situation knapp über Parität, hat inzwischen die Mehrheit der Schweizer Wirtschaft erkannt, dass es nichts bringt den „schwarzen Peter“ länger der SNB in die Schuhe zu schieben oder auf die Politik zu hoffen.

Die Statistiken des BFS (Bundesamt für Statistik) zeigen auf, dass primär nicht von einem Mengenproblem, sondern viel mehr von sinkenden Margen gesprochen werden muss. Im Verhältnis ist der Rückgang des Umsatzes deutlich höher ausgefallen als bei den Anzahl Auftragseingängen. Diese Situation gibt den meisten Firmen die Luft, mittel- und langfristig anhaltende Massnahmen umzusetzen. Des Weiteren zeigt eine Umfrage der Solothurner Handelskammer auf, dass viele Firmen in den letzten Monaten Anstrengungen unternommen haben. Über 70% der befragten Unternehmen haben sich mit der Optimierung Ihrer Prozesse beschäftigt. Genauso viele haben mit Ihren Lieferanten bessere Preise ausgehandelt, während rund 50% der Firmen sich mit Preissenkungen und um die 40% mit Entwicklung neuer Produkte oder Erschliessung neuer Märkte  weiterhin als attraktiver Partner anbieten.  Viele Firmen sahen sich aber auch gezwungen, drastischere Massnahmen umzusetzen. 27% reduzierten das Personal und 22% haben die Arbeitszeiten ausgeweitet. 7% mussten Lohnkürzungen vornehmen und jedes zehnte der befragten Unternehmen im Kanton Solothurn hat sich mit der Produktionsverlagerung in das Ausland beschäftigt. Ist die Zitrone wirklich dermassen ausgepresst, dass solche Massnahmen notwendig sind?

Ich sage provokativ „nein“. Klar, es gibt immer einige Ausnahmen. Viele der Schweizer Unternehmen besitzen aber nach wie vor eine ganze Spielwiese voller Potentiale zum Besser werden. Immerhin ist dies mein Eindruck, den ich als Berater während meinen Projekten und Besuchen bei rund 20 bis 25 Unternehmen die letzten Monate bekommen habe.

Kennen Sie den „Kreidekreis“? Taiichi Ōno, Mitbegründer und geltender Vater des TPS (Toyota Produktion System) hat seine Führungskräfte zur Hand genommen und ist mit Ihnen in die Produktion, an Gemba (jap. Ort des Geschehens) gegangen. Ōno hat jeweils mit Kreide einen Kreis auf den Boden gemalt und seine Leute mehrere Tage dort rein gestellt, mit der Aufgabe, ihren zuständigen Bereich zu beobachten und sämtliche Verschwendungen zu notieren. Verschwendungen sind Tätigkeiten, wofür der Kunde nicht bereit ist zu bezahlen. Wie Bewegung (Weg), Transporte, Wartezeiten, Fehler und Nacharbeit, Bestände, Überproduktion und ungeeignete Arbeitsprozesse. Sie können sich vorstellen, wie viele Dinge aufgeschrieben wurden. Haben Sie dies schon einmal auch nur eine Stunde lang gemacht? Nicht? Dann machen Sie es und Sie werden sehen, wie viel Potential auch Sie in Ihrem Unternehmen haben.

Bestimmt wurde seit dem 15. Januar in den vielen Schweizer Unternehmen so vieles verbessert, aber das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Aber einfacher wird es mit Sicherheit auch nicht. Schauen Sie noch genauer hin und noch wichtiger, tun Sie etwas und rüsten Sie sich für die Zukunft.

Quellen: Solothurner Handelskammer, BFS Bundesamt für Statistik, watson.ch, swissmechanic.ch, tagesanzeiger.ch, Der Toyota Weg (Liker), Lean Thinking (Womack and Jones)

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