Hohe Arbeitsbelastung, mittlere Produktivität, tiefe Mitarbeitenden-Zufriedenheit!

Unglaublich lange Arbeitszeiten, Anreise-Wege und (in westeuropäischer Ansicht) spezielle Arbeitsbedingungen sind unter anderem Gründe, wieso es zum ‚Karōshi‘ (Tod durch Überarbeitung) kommt. Die Gespräche mit Rolf Müller haben mir einige Einblicke ins japanische Arbeitsleben gegeben:
Ein normaler Arbeitstag beginnt gegen 08:30/09:00 Uhr und endet frühestens (auch am Freitag!) gegen 18.30 Uhr, wobei schon eher gegen 19:00 Uhr oder später. In der Regel sitzen die Mitarbeitenden über den Mittag kurz zusammen und essen aus Ihren ‚Bento-Boxen‘ (Lunch-Boxen). Eine durchschnittliche Anreise zum Arbeitsort dauert zwischen 60 und 120 Minuten pro Weg. So kommt es häufig vor, dass die ‚Salary Men‘ (Person welches das Haushaltseinkommen verdient) ihre Familien nur am Wochenenden zu Gesicht bekommen, da häufig auch unter der Woche mit den Arbeitskollegen im ‚Izakaya‘ (Sake-Laden zum Sitzen; bei uns Stammkneipe) genetzwerkt wird (mussten wir natürlich sofort auch ausprobieren…).

Verschiedene westliche Unternehmen haben zum Beispiel bereits Zahlungen von rund CHF 500.- als Motivationsbeitrag geleistet, sofern Mitarbeitende mehr als 3 Tage am Stück Urlaub gemacht haben! Die hohe Loyalität und der Arbeitseinsatz der Japaner/innen schlagen sich jedoch auch in der Produktivität und Mitarbeitenden-Zufriedenheit nieder. Zu diesem Thema nehme ich aus dem Beitrag ‚Schwarze Firmen, arbeiten bis zum Umfallen‘ aus dem Magazin ‚Japan Markt‘ einige Ausschnitte auf:

Japanische Unternehmen verlangen viel von Ihren Angestellten. Traditionell müssen sich diese der Firma mit Leib und Seele hingeben, im Gegenzug bekommen sie Sicherheit. Für Firmen, die diese Arbeitsmoral ausnutzen und in denen besonders schlechte Bedingungen herrschen hat sich der Begriff «burakku kigyo – schwarzes Unternehmen» etabliert.

Am 05. Oktober 2016 wurde das erste Weissbuch (eine Art Untersuchung der Regierung) zum Thema Karoshi herausgebracht. Die Ergebnisse sind ernüchternd. In fast jedem vierten Unternehmen leisten die Mitarbeitenden mehr als 80 Überstunden pro Monat! 80 ist dabei die magische Zahl, denn hier liegt die karoshi-Grenze. Ist diese Grenze erreicht, steigt das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Depressionen. Die Regierung und Politik hat dies erkannt und versucht mit gezielten Massnahmen entgegenzuwirken. Bereits erste Firmen (hauptsächlich mit ausländischer Beteiligung) nutzen den medialen Effekt und passen sogar Ihre Arbeitstage (von 5 Arbeitstage auf 4 Tage) an, um attraktive und gute Leute zu rekrutieren. Generell wird keine Zeit erfasst resp. erfasst, aber nicht kontrolliert, ausbezahlt oder kompensiert.

Unzufriedenheit hemmt Produktivität: Gemäss einer Studie von Edelmann insights sind nur gerade 17% mit der Arbeitssituation zufrieden. Mehr Aufschluss gibt eine jährliche Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup: Dort geben nur gerade 7% an, engagierte Mitarbeitende zu sein. 93% geben an, sich gar nicht oder nicht aktiv zu engagieren. Gerade die letzte Kategorie der nicht aktiv engagierten Angestellten (24%) sind nicht nur unzufrieden mit der Arbeit, sondern behindern durch Ihr Verhalten gar Arbeitsabläufe. Die Gründe liegen laut Umfragen klar an den langen Arbeits- sowie Pendelzeiten.

Wie Hitoshi Takeda immer sagt, kann der Wert des Unternehmens wie folgt definiert werden:

Mitarbeitende x Fähigkeit x Motivation

  • Gemessen am Bruttoinlandprodukt, das 2015 pro Kopf erwirtschaftet wurde, kommt Japan trotz langer Arbeitszeiten auf einen Wert von USD 39,7 pro Stunde – das sind zwei Drittel der deutschen oder US-amerikanischen Arbeitenden. In Anbetracht der Praxis, viele Überstunden gar nicht erst aufzuschreiben, ist die tatsächliche Pro-Kopf-Leistung vermutlich noch niedriger.
  • Die Regierung und einzelne Unternehmen arbeiten aktiv an der Verbesserung, jedoch ist der soziale Drang und die «ungeschriebenen Gesetze» sowie der Druck viel höher als vermutet.

Factory Tour bei Kirin in Yokohama (sehr professioneller Eindruck, top-organisiert)
Besuch bei NFL und Rolf Müller
Typisches japanisches Office, die Schweiz ist in Sachen Digitalisierung etwas vor, viel Papier.
Klassisches und modernes Izakaya (Stammkneipe, in der man mit dem Tablet bestellt!)
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